Positionspapier zur Prävention

Positionspapier zur Prävention

 

Prävention ist der Oberbegriff für alle Maßnahmen, die dazu dienen, Krankheiten zu vermeiden, sie frühzeitig zu erkennen oder Ihre Folgen zu minimieren.

PRÄVENTIONSZIELE

Die Präventionsziele für chronisch Nierenkranke Patienten lassen sich zusammenfassen in:

1. Rechtzeitige Diagnose
Nutzung der Vorsorgeprogramme ab dem Alter 35, Schulung der Hausärzte
(Anmerkung: oftmals findet die Diagnose einer Nierenerkrankung erst vor Dialyseeintritt statt)

2. Behandlung durch einen Facharzt (Nephrologen/Diabetologe)
spätestens ab der Stufe 3 nach international anerkannten Standards (KDOQI, KDIGO*2), d.h. sobald die Nierenfunktionsleistung*1 60ml/min/1,73mm unterschreitet

3. Progressionsverzögerung
Behandlung durch Anwendung weltweit anerkannter Standards (KDIGO, KDOQI),
Anmerkung: Eine weltweite Umfrage unter Nephrologen aus dem Jahr 2004 hat große Wissensdefizite ans Licht gebracht. z.B. wurden nur in 30% der Fälle eGFR eingesetzt, über 67% bestimmen die eGFR mit einer alten Formel

4. Zugang der Patienten zu Ihren Krankendaten
Die Historie der Krankendaten ist bedeutend für die Einschätzung von richtigen Therapien, GFR-Rechner zur Bestimmung der Nierenleistung

5.  Schulung der Patienten zu Verhaltensregeln
über die Zusammenhänge zur Progressionsverzögerung (Ernährung, Sport, Medikamente, Lebensweise)

INFORMATIONEN ZUM PRÄVENTIONSGESETZ

Es bleibt festzustellen, dass dass Präventionsgesetz überwiegend Maßnahmen zur Primärprävention fördert. Chronisch Nierenkranke Patienten benötigen aber Maßnahmen zur Tertiärprävention.

Ausgangssituation:

a) Das Präventionsgesetz zielt ausschließlich auf die Primärprävention ab und sieht folgende Leistungen vor:

• zur Verhaltensänderung (Reduzierung und Beseitigung von Gesundheitsrisiken in den Umweld-, Arbeits- und Lebensbedingungen)vor.

• Sogenannte Settingleistungen, d.h. Projekte in den Lebenswelten (Kindergärten, Schulen, Betriebe, etc.) und

• die betriebliche Gesundheitsförderung ist eine Sonderform der Settingleistungen,

b) Die Vorsorgeprogramme (gemäß SGB V) greifen nicht ausreichend. Nur wenige Menschen ab 35 (etwa 34%) nutzen diese Programme. Zudem gibt es keine Register über die Ergebnisse. Gemäß Vorgabe des GBA erfolgt die Evaluation durch das Zentralinstitut der KV (ZI). Eine Einzelauswertung des ZI-Berlin wurde trotz mehrfacher Nachfragen dem Bundesverband nicht zur Verfügung gestellt.

c) Gemäß einer Studie von Booz-Hamilton könnten weltweit über 27 Mrd. alleine bei der Diabetesbehandlung durch Ernährungsbedingte Maßnahmen gespart werden; 2,9 Mio. Tote wären bei den Nierenerkrankungen jährlich vermeidbar.

d) Gesetzliche Grundlagen

• Die Früherkennung von Krankheiten ist seit 1971 Bestandteil der Gesetzgebung (§73 SGB V).

• Ende der 90er Jahre wurde die Prävention aus dem Leistungskatalog der GKV gestrichen. 

• Zusammen mit der Gesundheitsförderung seit dem Jahr 2000 wieder im SGB verankert ($$20-26, SGB V). Der Leistungsumfang wird durch den Bundesausschuss festgelegt,

• 2002 wurde auf Initiative des BMGS das Forum Prävention in das Leben gerufen.

• 18.02.2005: Lesung Präventionsgesetz im Bundestag, am 22.05.2005 wurde das Gesetz verabschiedet.

• 22.12.2006: Leitfaden zur Prävention, Überarbeitung in der Fassung vom 2.Juni 2008

• Anrufung des Vermittlungs-Ausschusses, das Gesetz ist bis heute nicht in Kraft.

 


 

Erläuterungen:

*1: Stadien der Nierenfunktion

Die Bestimmung der GFR ein zuverlässigeres Maß für die Funktionskapazität der verbleibenden funktionsfähigen Nephrone als das Serumkreatinin. Zum einen steigen die Serumkreatininwerte erst über die obere Normgrenze, wenn die GFR um mehr als die Hälfte reduziert ist. Man nennt dies den kreatininblinden Bereich.

Die Nierenfunktion wird in die folgenden Stadien eingeteilt:

*2: KDIGO: ist die Abkürzung für Kidney Disease xxxxx Outcome

In dieser Arbeitsgruppe werden Empfehlungen erarbeitet und als Leitlinien herausgegeben.

KDOQI: ist die Abkürzung für Kidney Disease Outcome Qualtity xxxx

Verfasser: U. Korst

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