17.08.2016 Dialyse und Organtransplantation

100-Jährige feierte Geburtstag an der Dialyse

Auch hochbetagte Menschen können, wenn es ihr Allgemeinzustand zulässt, erfolgreich dialysiert werden

Am Samstag feierte Frau Maria D., eine Dialysepatientin aus Neuwied, ihren 100. Geburtstag an der Dialyse. Die Nierenfunktion der hochbetagten Dame ist seit gut vier Jahren so niedrig, dass sie seitdem dreimal pro Woche fünf Stunden lang dialysiert werden muss. Diese regelmäßige „Blutwäsche“ macht es möglich, dass sie trotz Nierenversagen weiterleben kann – so wie ca. 80.000 andere Dialysepatienten in Deutschland – denn die Niere ist das einzige Organ, das länger- und langfristig maschinell ersetzt werden kann. Dialysepatienten leben zwar mit Einschränkungen, haben in der Regel aber eine annehmbare Lebensqualität, wenn man bedenkt, dass ein lebenswichtiges Organ ausgefallen ist und sie ohne Dialyse nur eine Lebenserwartung von wenigen Tagen oder vielleicht Wochen hätten. Bei hochbetagten Menschen wird der Einsatz dieses Blutreinigungsverfahren jedoch häufig hinterfragt, zumal es bei ihnen auch vermehrt zu Komplikationen wie Kreislaufproblemen an der Dialyse kommen kann.

Der Fall von Maria D. zeigt jedoch, dass ein hohes Alter per se kein Ausschlusskriterium darstellt und dass auch hochbetagte Menschen von der Dialysebehandlung profitieren können. „Die Therapieentscheidung muss natürlich immer individuell gefällt werden. Viel wichtiger als das numerische Alter ist die Frage, in welchem Allgemeinzustand die Patientin/der Patient ist, wie viele Begleiterkrankungen vorliegen und ob sie/er die Dialysetherapie toleriert. Ist letzteres der Fall und wünscht die hochbetagte Patientin/der hochbetagte Patient nach einem ausführlichen Aufklärungsgespräch diese Behandlung, um weiterleben zu können, wäre es unethisch, sie zu verwehren“, erklärt Dr. Wolfgang Treiber, der behandelnde Arzt von Maria D.

Ähnlich argumentiert Prof. Dr. Jan Galle, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN): „Die Dialysemaschinen wurden in den vergangenen Jahren technisch verbessert und die Behandlung ist schonender geworden. Das Durchschnittsalter unserer Patienten ist kontinuierlich gestiegen und wir Nephrologen kooperieren eng mit Geriatern, um auch alten Patienten eine bestmögliche Versorgung anbieten zu können. Ältere Menschen werden beispielsweise länger dialysiert, d.h. 5 statt 4 Stunden, weil so der Flüssigkeitsentzug kreislaufschonender ist“. Am schonendsten – und daher für alte Menschen besonders gut geeignet – ist übrigens die Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse), die auch von einem Pflegedienst assistiert zu Hause oder im Seniorenheim durchgeführt werden kann. „Wichtig ist, die Patientin/den Patienten und die Angehörigen über alle Möglichkeiten der Behandlung, und zwar auch über die palliative Therapie, bei der nicht mehr dialysiert wird, umfassend zu informieren, und gemeinsam eine, für den individuellen Fall optimale Therapieentscheidung zu treffen.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) vom 17.08.2016

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