Wenker: „Brüsseler Zentralisierungspläne bei Organspende lösen keine Probleme, sondern schaffen neue“

Wenker: „Brüsseler Zentralisierungspläne bei Organspende lösen keine Probleme, sondern schaffen neue“

Pressemitteilung der Bundesärztekammer

 Berlin, 26.01.2010

„Wir brauchen eine größere Motivation zur Organspende. Wir brauchen flächendeckend Transplantationsbeauftragte in den Krankenhäusern, vor allem aber müssen wir das Niveau der Transplantationsmedizin in Deutschland sichern und uns gemeinsam mit der Bundesregierung gegen die Brüsseler Zentralisierungspläne stemmen“, sagte  Dr. Martina Wenker vom Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK) auf dem heute beginnenden 2. Wissenschaftlichen Symposium der BÄK zur Lage der Transplantationsmedizin in Berlin. „Von dieser Tagung, auf der wir mit Juristen, Medizinern, Philosophen, Gesundheitspolitikern und Ökonomen medizinisch-fachliche und organisatorische Grundsatzfragen der Transplantationsmedizin in Deutschland diskutieren, muss ein wichtiger Impuls für die Zukunft der Transplantationsmedizin in Deutschland ausgehen.“

Die Selbstverwaltungspartner hätten in den vergangenen Jahren trotz schwieriger Rahmenbedingungen hervorragende Arbeit geleistet. Nun gelte es, die hiesigen Strukturen weiter zu optimieren. Dazu gehöre prioritär die flächendeckende Einführung von unabhängigen Transplantationsbeauftragen in den Krankenhäusern. Spanien, das Land mit der höchsten Spenderrate in Europa, habe gezeigt, dass diese Transplantationsbeauftragten eine Schlüsselrolle bei der Organspende einnehmen, so Wenker, die auch Mitglied in der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer ist.

Dringend diskutiert werden müsse darüber hinaus die Rolle der Krankenhäuser mit Intensivstationen bei der Mitteilung potentieller Organspender. Zwar seien die Krankenhäuser schon jetzt gesetzlich verpflichtet, dem zuständigen Transplantationszentrum potentielle Spender vermittlungspflichtiger Organe mitzuteilen. Aber diese Verpflichtung müsse auch zum täglichen Handeln werden. Nur dann sei Organspende auch in der Fläche möglich.

Gefahr drohe allerdings durch die von der EU-Kommission geplante Richtlinie über Qualität und Sicherheit von Organen. Dabei gehe es der Kommission nicht um eine Optimierung der Selbstverwaltungsstrukturen, sondern um die Einführung staatlicher Administration in die Organspende. „Die geplante EU-Richtlinie wird nicht den Mangel an Organen beheben, sondern eher zementieren. Denn Zentralismus lähmt Prozesse und Bürokratie verkrustet Strukturen.“ Wenker verwies in diesem Zusammenhang auf die Erfahrung mit der EU-Geweberichtlinie, die in Deutschland zu extremer Verunsicherung bei potentiellen Spendern geführt habe. „Wir brauchen für die Organspende keine supranationalen Normvorschläge, sondern differenzierte Regelungen, die die Transplantationsmedizin wirklich voranbringen.“