News und Aktuelle Infos zum Thema Dialyse und Organtransplantation.

„Angehörige bei Entscheidung nicht allein lassen“

Aktuelle Organspendezahlen: In neun von zehn Fällen entscheiden die Angehörigen über Organspende

Frankfurt am Main, 30. Januar 2012. In neun von zehn Todesfällen werden die Angehörigen derzeit über eine mögliche Organspende befragt, weil der Verstorbene seinen Willen nicht dokumentiert hat. Dies bestätigen die aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2011 der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Laut Umfragen geben zwar rund 20 Prozent der Deutschen an, einen Organspendeausweis zu besitzen – in der Realität im Krankenhaus sieht dies jedoch anders aus. Nur knapp sieben Prozent haben ihre Entscheidung zur Organspende schriftlich - zum Beispiel in einem Organspendeausweis - hinterlegt und damit zu Lebzeiten eine Entscheidung getroffen. Bei 27,6 Prozent war der mündliche Wille ausschlaggebend, bei 42,4 Prozent der mutmaßliche Wille. Bei insgesamt 24,4 Prozent der Fälle, die zu einer Zustimmung oder Ablehnung geführt haben, gab es keinen Anhaltspunkt für den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen. Demnach ist die Ablehnungsrate mit über 40 Prozent am höchsten, wenn die Entscheidung alleine im Ermessen der Angehörigen liegt. Aus Unsicherheit, die falsche Entscheidung zu treffen, kommt es hier in vier von zehn Fällen zu einer Ablehnung der Organspende.

Diese Bitte um Entscheidung bedeutet für die Angehörigen die schwierigste Frage inmitten einer Situation von Trauer und Verzweiflung. Die Ärzte auf der Intensivstation werden in der Ausbildung meist nicht auf diese Gespräche vorbereitet, hinzukommen Arbeitsüberlastung und Zeitmangel der Mediziner. Die DSO bietet den Ärzten in den Krankenhäusern aus diesem Grund Unterstützung durch einen DSO-Koordinator an. Ein gemeinsames Gespräch mit dem behandelnden Arzt und dem DSO-Koordinator erleichtert es den Angehörigen, eine stabile Entscheidung zu treffen. Denn die Koordinatoren können die Familienmitglieder ausführlich und ohne Zeitdruck beraten und umfassende Informationen zur Organspende und Transplantation geben. Ziel des Gesprächs mit den Angehörigen des Verstorbenen ist es, die Familie bei der Entscheidungsfindung zu begleiten und zu einer stabilen Entscheidung für oder gegen Organspende zu kommen. Jede Entscheidung wird dabei akzeptiert.

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Schwere Nierenerkrankungen früh erkennen – neue Biomarker auf die Probe gestellt

Wie erkennt ein Arzt, ob bei einem Patienten, der in die Notaufnahme einer Klinik eingeliefert wird, die Nieren akut geschädigt sind? Diese Frage ist mit bisherigen Tests häufig nur schwer zu beantworten, für die frühe Beurteilung der Schwere des Krankheitsbildes jedoch von großer Bedeutung. Kliniker vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC) des Max-Delbrück-Centrums (MDC) und der Charité, des Helios-Klinikums Berlin und dreier US-Kliniken haben jetzt gezeigt, dass der Nachweis von Proteinen, die eine geschädigte Niere in den Urin ausschüttet, hilft, Hochrisikopatienten sehr früh zu erkennen (Journal of the American College of Cardiology, online, 9. Januar 2012)*.

„Es gibt keine typischen Symptome für akutes Nierenversagen“, sagt Prof. Kai Schmidt-Ott. „Trotzdem ist es für den Arzt sehr wichtig, schon sehr früh festzustellen, ob ein Patient eine akute Nierenschädigung hat“, betont der Nierenspezialist von der Charité, der am MDC eine Forschungsgruppe leitet. Denn im Anfangsstadium ist es häufig noch möglich, die Erkrankung aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen. Bei fortgeschrittener Schädigung ist eine Dialyse-Behandlung (Blutwäsche) erforderlich. Viele Patienten mit schwerer Nierenschädigung sterben im Krankenhaus. Wie groß das Problem ist, machen auch einige Zahlen deutlich. Allein in den USA werden jedes Jahr eine Million Patienten mit schwerer Nierenschädigung diagnostiziert. In Deutschland gibt es derzeit nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie allein rund 70 000 Dialysepatienten. Und die Zahlen steigen.

Derzeit wird einzig der Kreatininwert im Blut (Serum-Kreatinin) für die Diagnose eines akuten Nierenversagens herangezogen. Kreatinin ist ein Molekül, das normalerweise über die Niere ausgeschieden wird, sich jedoch bei eingeschränkter Nierenfunktion im Blut anhäuft. „Ein erhöhter Kreatininwert ist aber kein direktes Maß für die Nierenschädigung“ erläutert Prof. Schmidt-Ott. „So kann eine längerdauernde leichte Minderdurchblutung der Niere bereits zu einem deutlichen Anstieg des Serum-Kreatinins führen, ohne dass das Nierengewebe geschädigt ist. Diese Funktionsstörung der Niere ist meist gut zu behandeln. Die Patienten erhalten eine Elektrolytlösung oder müssen die Medikamente, die die Niere schädigen, absetzen.

Dagegen hat eine Gewebeschädigung in der Niere eine deutlich schlechtere Prognose. Dennoch ist es nicht immer möglich in der Notaufnahme erhöhte Serum-Kreatinin-Werte zu messen, weil nach einer Nierenschädigung 24 bis 48 Stunden vergehen können, bis das Kreatinin sich im Blut anhäuft und damit die Risikopatienten nicht erkannt werden. Somit besteht ein dringender Bedarf an genaueren Markern der Gewebeschädigung in der Niere.

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass eine geschädigte Niere eine Reihe von Proteinen bildet. In kleineren Studien mit wenigen Patienten war untersucht worden, ob diese Proteine als „Biomarker“ dienen können, um Hochrisikopatienten mit einer Gewebeschädigung der Niere zu identifizieren. In den vergangenen drei Jahren sind Prof. Thomas L. Nickolas und Prof. Jonathan Barasch von der Columbia Universität in New York City, sowie Prof. Schmidt-Ott und Prof. Friedrich C. Luft (beide ECRC), dieser Frage in einer großen Studie nachgegangen. Sie haben von fast 1 700 Patienten, die in die Notaufnahmen von Kliniken in Berlin und New York kamen, fünf dieser Proteine im Urin gemessen.

Dabei stellten sie fest, dass vor allem zwei Proteine, in der Fachsprache kurz NGAL und KIM-1 genannt, sich als hilfreich für eine frühzeitige Risikoeinschätzung erwiesen haben. Sind die NGAL-und KIM-1-Werte niedrig, so ist das Risiko des Patienten gering, im Laufe des Klinikaufenthaltes zu versterben oder eine Dialyse zu benötigen. Hohe Werte zeigen dagegen das Risiko einer akuten Nierenschädigung an. Kombiniert ein Arzt die Messwerte dieser Biomarker mit den Werten des Serum-Kreatinins, ist eine genauere Einschätzung des individuellen Risikos möglich, so Prof. Schmidt-Ott. Das könnte Klinikern in der Notaufnahme schnell helfen, eine adäquate Behandlungsstrategie für den Patienten zu entwickeln.

Noch aber ist nicht klar, ob alle Patienten, die in eine Notaufnahme kommen, auf diese Biomarkerproteine hin untersucht werden sollten oder ob die Messung nur bestimmten Patienten (zum Beispiel Diabetikern oder Bluthochdruckpatienten, die ein hohes Risiko für ein akutes Nierenversagen haben) vorbehalten sein soll. Ebenso ist noch unklar, ob eine Diagnose mit Hilfe dieser Biomarker tatsächlich den individuellen Behandlungserfolg beeinflusst. Dazu sind nach Aussage von Prof. Schmidt-Ott weitere Studien nötig.

*Diagnostic and Prognostic Stratification in the Emergency Department Using Urinary Biomarkers of Nephron Damage - A Multicenter Prospective Cohort Study
Thomas L. Nickolas*†1, Kai M. Schmidt-Ott*†2,3, Pietro Canetta1, Catherine Forster1, Eugenia Singer2,3, Meghan Sise1, Antje Elger2, Omar Maarouf4, David Antonio Sola-Del Valle1, Matthew O’Rourke1, Evan Sherman1, Peter Lee1, Abdallah Geara1, Philip Imus1, Achuta Guddati1, Allison Polland1, Wasiq Rahman1, Saban Elitok3, Nasir Malik1, James Giglio1, Suzanne El-Sayegh4, Prasad Devarajan5, Sudarshan Hebbar6, Subodh J. Saggi4, Barry Hahn4, Ralph Kettritz2,3, Friedrich C. Luft2,3, and Jonathan Barasch1

1 Columbia University College of Physicians and Surgeons, New York, NY, USA
2 Experimental and Clinical Research Center, a joint cooperation between the Charité Medical Faculty and the Max-Delbrück Center for Molecular Medicine, Berlin, Germany
3 Helios Clinics, Berlin, Germany
4 Staten Island University Hospital, Staten Island, NY, USA
5 Cincinnati Childrens Hospital, Cincinnati, OH, USA
*† Co-first and co-corresponding authors

Aussicht auf Heilung bei schweren Nierenerkrankungen

Jena. Wissenschaftlern um den Infektionsbiologen Peter Zipfel ist es erstmals gelungen, eine erfolgreiche Therapie für eine bislang unheilbare Nierenerkrankung zu entwickeln und anzuwenden. Zusammen mit Kollegen in Berlin, Heidelberg, Münster und Shanghai setzte das Team um den stellvertretenden Direktor des Hans-Knöll-Instituts in Jena eine Immuntherapie gefolgt von einer Nierentransplantation zur Bekämpfung der membranoproliferativen Glomerulonephritis ein. Dieser Forschungserfolg fand international große Beachtung und wurde jetzt im New England Journal of Medicine, einer der weltweit renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften, veröffentlicht.
Schwerwiegende Nierenerkrankungen, die eine dauerhafte Behandlung durch Dialyse oder Transplantation erfordern, stellen eine große Belastung für das Leben der Patienten dar. Auslöser für die Schädigung der Niere können bakterielle Infektionen oder genetische Veränderungen sein. Membranoproliferative Glomerulonephritis (MPGN) ist eine solche schwere Erkrankung der Niere, die häufig zu Nierenversagen führt und eine langwierige Dialyse erfordert. Sie kann durch genetische Defekte ausgelöst werden, in den meisten Fällen jedoch liegt die Ursache der Krankheit im Dunkeln. Bislang konnte MPGN nicht behandelt werden, und selbst nach einer Nierentransplantation waren die Heilungschancen für die Patienten gering. Auf der Suche nach den Ursachen der Krankheit analysierten die Wissenschaftler in Peter Zipfel und Christine Skerkas Team in Jena Blutproben von MPGN-Patienten. Dabei fanden sie eine Kombination von zwei neuen Antikörpern, die sich beide gegen das eigene Immunsystem richten. Solche Autoantikörper führen zu einer dauerhaften Aktivierung des so genannten Komplementsystems. Normalerweise bildet das Komplementsystem als Bestandteil der menschlichen Immunantwort einen ersten Schutz vor Krankheitserregern. Die nun gefundenen Autoantikörper sorgen jedoch dafür, dass das Komplementsystem dauerhaft aktiv ist und die Nieren schädigt.

„Die Entdeckung dieser Autoantikörper wies uns den Weg zu einer möglichen Therapie von MPGN. Denn wenn es gelingt, die Autoantikörper zu reduzieren, können wir so die fehlerhafte Aktivierung des Komplementsystems bremsen“, beschreibt Peter Zipfel, der gleichzeitig eine Professur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena innehat, die Bedeutung des Ergebnisses. Zusammen mit Ärzten am Berliner Universitätsklinikum Charité setzten die Forscher die so gewonnenen Erkenntnisse jetzt in eine neuartige Therapie um. Bei einer achtjährigen MPGN-Patientin wurde das Blutplasma ausgetauscht und gleichzeitig die Neubildung der schädlichen Autoantikörper durch Medikamente unterdrückt.

Diese Behandlung führte zu einem deutlichen Rückgang der Autoantikörper und wies so das Komplementsystem in seine Schranken. Damit war es möglich, der Patientin erfolgreich eine gesunde Niere zu transplantieren. Auch heute, zwei Jahre nach der Transplantation, ist der Zustand der Patientin stabil und sie leidet nicht mehr an der Nierenkrankheit.

Für die Forscher am Jenaer Hans-Knöll-Institut ist es ein großer Erfolg, dass ihre langjährige Grundlagenforschung auf dem Gebiet des Komplementsystems jetzt Früchte in der klinischen Anwendung trägt. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Infektionsbiologen und Medizinern wurde die Lebensqualität des erkrankten achtjährigen Mädchens deutlich verbessert. Darüber hinaus können in Zukunft weitere der meist jugendlichen MPGN-Patienten vor einer lebenslangen Dialyse bewahrt werden.

Originalpublikation:
Chen Q, Müller D, Rudolph B, Hartmann A, Kuwertz-Bröking E, Wu K, Kirschfink M, Skerka C, Zipfel PF (2011) Combined C3b and Factor B Autoantibodies and MPGN Type II. N Engl J Med 365, 2340-2342. doi:10.1038/nature10449
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc1107484

Informationen zum HKI http://www.hki-jena.de
Das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – wurde 1992 gegründet und gehört seit 2003 zur Leibniz-Gemeinschaft. Die Wissenschaftler des HKI befassen sich mit der Infektionsbiologie human-pathogener Pilze. Sie untersuchen die molekularen Mechanismen der Krankheitsauslösung und die Wechselwirkung mit dem menschlichen Immunsystem. Neue Naturstoffe aus Mikroorganismen werden auf ihre Wirksamkeit gegen Pilzerkrankungen untersucht und zielgerichtet modifiziert.
Das HKI verfügt derzeit über fünf wissenschaftliche Abteilungen, deren Leiter gleichzeitig berufene Professoren der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) sind. Hinzu kommen vier Nachwuchsgruppen und sechs Querschnittseinrichtungen mit einer integrativen Funktion für das Institut, darunter das anwendungsorientierte Biotechnikum als Schnittstelle zur Industrie. Zur Zeit arbeiten etwa 320 Menschen am HKI, darunter 120 Doktoranden.

Informationen zur Leibniz-Gemeinschaft http://www.leibniz-gemeinschaft.de
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 87 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen strategisch und themenorientiert. Dabei bedienen sie sich verschiedener Forschungstypen wie Grundlagenforschung, anwendungsorientierter Forschung, wissenschaftlicher Infrastrukturen und forschungsbasierter Dienstleistungen. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Sie pflegt intensive Kooperationen mit den Hochschulen, u.a. über gemeinsame Wissenschaftscampi, und mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Ihre Einrichtungen unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und externalisierten Begutachtungsverfahren. Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Bedeutung. Daher fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 16.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 7.800 Wissenschaftler, davon wiederum 3.300 Nachwuchswissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,4 Mrd. Euro, die Drittmittel betragen etwa 330 Mio. Euro pro Jahr.

Transplantationen sicherer machen – Sander-Stiftung fördert LMU-Forscher

Stabsstelle Kommunikation und Presse


Ludwig-Maximilians-Universität München

14.12.2011 10:50
Professor Günther Eißner, Leiter des Labors für Interdisziplinäre Stammzellforschung in der Herzchirurgischen Klinik am Klinikum der LMU, Standort Großhadern, wird von der Wilhelm-Sander-Stiftung gefördert. Für zunächst zwei Jahre wird der Humanbiologe rund 80.000 Euro für das Projekt „In vitro Monitoring endothelialer Komplikationen nach allogener Transplantation mit immortalisierten Patienten-spezifischen Endothelzelllinien“ erhalten. Nach der Transplantation von Organen oder blutbildenden Stammzellen treten vornehmlich am vaskulären Endothel, also der inneren Auskleidung der Blutgefäße, Komplikationen auf. Im geplanten Projekt soll nun die zugrunde liegende Immunreaktion gegen die betroffenen Zellen im Detail entschlüsselt werden, um künftig bei Transplantationen möglicherweise vorbeugend oder therapeutisch eingreifen zu können.

Es ist bereits bekannt, dass die Schäden am vaskulären Endothel nach Transplantationen in einem Drei-Stufen-Prozess ablaufen. An dessen Ende steht immer eine spezifische immunologische Reaktion, die sich gegen das Endothel richtet. Im geplanten Projekt sollen nun diese Abwehrreaktionen nach Transplantation in regelmäßigen Abständen in vitro erfasst werden. In einem ersten Schritt muss eine spezielle Methodik entwickelt werden, um patientenspezifische Zellen, die dem Endothel ähneln, in vitro zu differenzieren und durch genetische Modifikation zu permanentem Wachstum anzuregen.

Dann kann im zeitlichen Verlauf getestet werden, ob sich im Blut der Patienten nach Transplantation Abwehrzellen befinden, die diese Endothel-ähnlichen Zellen angreifen – was auf eine Immunreaktion gegen das transplantierte Gewebe schließen ließe. Es ist bereits bekannt, dass bestimmte Immunzellen, die eigentlich eine Abwehrreaktion unterdrücken sollen, ebenfalls zu den gefährlichen Komplikationen beitragen können. Die Forscher hoffen, dass ein detailliertes Verständnis der Immunreaktion zur Entwicklung von neuartigen Ansätzen in Prophylaxe und Therapie beitragen kann.

Die Wilhelm-Sander-Stiftung mit Sitz in Neustadt an der Donau wurde 1974 gegründet. Sie fördert medizinische Forschung im klinischen und klinisch-experimentellen Bereich, die auf die Bekämpfung von Krankheiten abzielt. Schwerpunkt ist die Krebsforschung. Beim vorliegenden Projekt kann nach Ablauf der ersten Förderperiode ein Antrag auf Verlängerung für weitere zwei Jahre gestellt werden. (suwe)

Ansprechpartner:
Professor Günther Eißner
Tel.: 089 / 7006 – 5008
Fax: 089 / 7006 – 5065
E-Mail: Guenther.Eissner@med.uni-muenchen.de
Web: http://www.herzklinik-muenchen.de

Nierenpatienten haben in Deutschland mehr Chancen

Überlebensraten sind besser als in den USA

Bei komplexen Fällen von Nierenversagen funktioniert die medizinische Versorgung in Deutschland offenbar besser als in den USA. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten zeigen, dass deutsche Patienten, die durch eine vorangegangene Immunisierung ein erhöhtes Risiko für Abstoßungsreaktionen aufweisen, bessere Überlebensraten aufweisen als ähnlich schwer erkrankte Menschen in den USA. Dies gilt sowohl während der Dialyse als auch für die Zeit nach Erhalt einer neuen Niere. Die Gründe hierfür sehen die Forscher nicht nur in der besseren Qualität der Dialyse in Deutschland, sondern vor allem in dem sehr gut funktionierenden europäischen Organvergabesystem, mit dessen Hilfe die Daten von Organspendern und Empfängern erfasst, analysiert und so optimal an die passenden Patienten zugeteilt werden. Die Ergebnisse der Studie wurden in einem „Letter to the Editor“ im „New England Journal of Medicine"* veröffentlicht.

Einige Menschen auf der Warteliste für eine neue Niere leiden unter einem vorangegangenen Immunisierungsereignis, der sogenannten HLA-Sensibilisierung. Dies kann nach Schwangerschaften oder bei Empfängern von Blutspenden auftreten. Dabei werden im Blut Antikörper gegen Gewebemerkmale gebildet, die es dem Körper erschweren, Transplantate von bestimmten Spendern zu akzeptieren. Studien zeigen eine sehr hohe Abstoßungsrate von Spenderorganen, wenn eine HLA-Sensibilisierung vorliegt. Wissenschaftler der Johns Hopkins University hatten versucht, die Antikörper im Blut HLA- sensibilisierter Patienten durch einen Austausch des Blutplasmas, die so genannte Plasmapherese, zu entfernen. Dieses komplexe Verfahren führt in Kombination mit einer verstärkten Unterdrückung des Immunsystems bei diesen Patienten zunächst zu einer erfolgreichen Transplantation, birgt aber weitere Risiken: Fast zehn Prozent der so behandelten Patienten starben im ersten Jahr nach der Transplantation, nach fünf Jahren lebten noch 80 Prozent. Im Vergleich dazu zeigen die Daten an der Charité, dass auch ohne Plasmapherese nach fünf Jahren etwa 90 Prozent der Transplantatempfänger mit ähnlichen demografischen Daten überlebt haben. Prof. Klemens Budde, Oberarzt der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie am Campus Charité Mitte, hält vor dem Hintergrund dieser Zahlen derartige Desensibilisierungsprogramme für „unnötig“. Verfahren wie das „acceptable mismatch program“ in Europa, bei dem in einem aufwendigen Verfahren der jeweils beste Spender für die sensibilisierten Patienten auf der Warteliste gesucht wird, seien für Risikopatienten wesentlich besser geeignet. Durch die bessere Gewebeübereinstimmung ist eine weniger starke Unterdrückung des Immunsystems ausreichend, woraus weniger Nebenwirkungen resultieren.

Auch ein Blick zu den Dialysepatienten auf der Warteliste zeigt eine bessere Versorgung in Deutschland als in den USA. In dieser Gruppe verstarben fast neun Prozent der US-Patienten im ersten Jahr, nach fünf Jahren waren 34 Prozent gestorben. Im Vergleich dazu lebten in Berlin und Brandenburg nach fünf Jahren noch etwa 90 Prozent der Dialyse-Patienten auf der Warteliste der Charité. „Der Blick in die USA weist uns auf die Schwächen des amerikanischen Gesundheitssystems hin. Wir sollten uns davor hüten, derartige Programme in Europa zu implementieren“, resümiert Prof. Budde in einem Beitrag im Deutschen Ärzteblatt.

*Huber L, Naik M, Budde K. Desensitization of HLA-incompatible kidney recipients. N Engl J Med. 2011 Oct 27;365(17):1643; author reply 1644-5. PubMed PMID: 22029992.

02.12.2011 - Pressemitteilung Charité

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Ein kleines Stück Papier, das Leben rettet

Der Organspendeausweis wird im November 40 Jahre – Musikalische „Happy Birthday“-Aktion im Internet

Frankfurt/Main, 26. Oktober 2011. Er ist klein und kann doch so Großes bewirken: der Organspendeausweis. Seit nunmehr 40 Jahren rettet das „Ja“ auf dem kleinen Stück Papier im Falle des Falles Leben und ist ein Symbol der Nächstenliebe und Solidarität mit den 12.000 Patienten auf der Warteliste für ein Spenderorgan.

Laut Zeitungsmeldungen* wurden am 3. November 1971 die ersten deutschen Organspendeausweise ausgegeben. Der Ausweis steht seit dieser Zeit für eine selbstbestimmte Entscheidung, mit der man seinen Angehörigen im Ernstfall eine schwere Last abnimmt. Denn die Bereitschaft zur Organspende wird in Deutschland nicht offiziell registriert, sondern sollte im Organspendeausweis festgehalten werden.

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Galenus-von-Pergamon-Preis 2011 an den Freiburger Nephrologen Professor Dr. Wolfgang Kühn


Ehrung für die Arbeit zur Entstehung von erblichen Zystennieren

Professor Dr. Wolfgang Kühn, Leitender Oberarzt der Abteilung Nephrologie am Universitätsklinikum Freiburg, hat mit seiner Arbeitsgruppe den Galenus-von-Pergamon-Preis 2011 bekommen. Er wurde geehrt für eine grundlegende Arbeit zur Entstehung von erblichen Zystennieren, die in über 50 Prozent der Betroffenen zum Nierenversagen führen und damit eine Nierenersatztherapie erfordern. In einer im Fachjournal Nature Cell Biology veröffentlichten Arbeit beschreibt die Arbeitsgruppe - bestehend aus Professor Kühn sowie seinen Kollegen Dr. Fruzsina Kotsis und Dr. Christopher Böhlke - einen mehrstufigen molekularen Mechanismus, bei dem es zur krankhaften Aktivierung einer Signalkaskade kommt und zeigt einen neuen Angriffsort für die medikamentöse Therapie der Zystennierenerkrankung.

Die Freiburger Nephrologie zählt seit Jahren zu den weltweit führenden Forschungsgruppen und wurde wiederholt für Arbeiten zum Thema Zystennieren ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Galenus-von-Pergamon-Preis für experimentelle Pharmakologie wird einmal jährlich vergeben. Die Auszeichnung wurde am 20. Oktober 2011 im Rahmen der Springer Medizin Gala von der Schirmherrin, Ministerin für Bildung und Forschung, Professor Dr. Annette Schavan, in Berlin überreicht.

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Zusammenfassender Bericht zur Qualität von Dialyse-Behandlungen veröffentlicht

Berlin, 20. Oktober 2011 – Erstmalig in diesem Jahr wurde im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) ein zusammenfassender Jahresbericht zur Qualität der Dialysebehandlungen vorgelegt, der die Einzelberichte der Berichtersteller zusammenfasst.

„Durch die Zusammenführung der Einzelberichte in einen einheitlichen und zusammenfassenden Bericht wurden eine verbesserte Lesbarkeit und eine transparentere Darstellung bewirkt“, sagte Dr. Josef Siebig, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Qualitätssicherung.

Jede Dialyse-Einrichtung im Geltungsbereich der Qualitätssicherungsrichtlinie Dialyse des G-BA ist verpflichtet, sich an einem Rückmeldesystem zur Selbstkontrolle (Benchmarking) als einrichtungsübergreifende Maßnahme der Qualitätssicherung zu beteiligen. Hierzu gehört auch, dass die Einrichtungen vierteljährlich Daten an die Berichtersteller übermitteln und diese Benchmarking-Berichte nach den Vorgaben der Richtlinie erstellen.

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Bahrs Vorstoß zum Transplantationsgesetz: „Scheininnovation“ und „Outsourcing von Eigenverantwortung“

Vergangene Woche stellte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr seinen Vorschlag für die Novellierung des Transplantationsgesetzes vor. Wesentliche Eckpunkte: Eingeführt werden soll die Entscheidungslösung, der eine umfassende Information der Bürger über die Organspende vorausgehen soll – eine Entscheidungspflicht besteht aber nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie kritisiert dieses Konzept als Scheininnovation. 


Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) kritisiert den Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr zur Novellierung des Transplantationsgesetzes. Zwar sei grundsätzlich zu begrüßen, dass allen Versicherten zumindest einmal im Leben Informationsmaterialien und Organspendeausweise mit der Aufforderung, eine Erklärung abzugeben, zugestellt werden sollen, aber ohne die Einführung einer Entscheidungspflicht könne keine wesentliche Verbesserung der Situation erzielt werden. „Bei dem Vorschlag handelt es sich unserer Ansicht nach lediglich um eine Scheininnovation“, so Prof. Dr. Bernhard Krämer, Leiter der Kommission Transplantation der DGfN. „Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ableben ist noch immer ein Tabu in unserer Gesellschaft – und ohne eine Entscheidungspflicht wird die Mehrzahl der Menschen die Entscheidung vor sich herschieben, wie bislang auch.“ Denn auch wenn in der Begründung des Bundesgesundheitsministers von 25% Organspendeausweisträgern in der Bevölkerung ausgegangen wurde, muss man festhalten, dass im Jahr 2010 nur bei 7% der Zustimmungen zur Organspende tatsächlich ein Organspendeausweis zugrunde lag. Bei den übrigen 93% mussten die engsten Angehörigen eine Entscheidung entsprechend des mutmaßlichen Willens des Verstorbenen treffen. Doch mit den trauernden Hinterbliebenen zu solch einem Zeitpunkt über die Organspende zu sprechen, sei eine Zumutung für alle Beteiligten, hinzu komme eine Unsicherheit darüber, ob das, was die Angehörigen entscheiden, wirklich den Wünschen des Verstorbenen entspricht. „Wir dulden in der Organspendefrage ein Outsourcing von Eigenverantwortung und der Gesetzesvorschlag wird daran nichts ändern. Darüber hinaus ist nicht davon auszugehen, das eine Information und Abfrage durch die Krankenkassen von der Bevölkerung ausreichend ernst genommen wird“, kommentiert Prof. Dr. Reinhard Brunkhorst, Präsident der DGfN das Problem.

DGFN

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Volkskrankheit Bluthochdruck – Spezialisierungsgebiet der Nierenfachärzte

Volkskrankheiten wie der hohe Blutdruck (arterielle Hypertonie) bedeuten für viele Menschen großes, oft vermeidbares Leid. So griff die aktuelle Titelgeschichte des Focus (Nr. 39/2011 vom 26.09.2011) zu Recht ein Thema auf, das die Nephrologie (Nierenheilkunde) schon immer stark beschäftigt, da die Nieren und der Blutdruck eng zusammenhängen, sich wechselseitig dramatisch beeinflussen und die jeweilige Erkrankung verstärken, worauf nicht häufig genug hingewiesen werden kann.

Ein zu hoher Blutdruck schädigt auf Dauer die feinen Blutgefäße der Nieren, was bis zum terminalen Nierenversagen mit Dialysepflicht führen kann. 20 Prozent aller Hochdruckpatienten versterben an Nierenerkrankungen. Nierenschäden sind somit die dritthäufigste Todesursache bei Menschen mit Bluthochdruck! Umgekehrt führen Nierenerkrankungen, vor allem die chronischen Formen meistens zu Bluthochdruck, wodurch sich die Verschlimmerung einer Nierenerkrankung von selbst beschleunigt.

In der Bevölkerung ist nur unzureichend bekannt, dass die Niere auch den Blutdruck regelt. Sie ist nicht nur Entgiftungsorgan und Produktionsstätte von Hormonen, sie regelt auch die „Pegelstände“ des Körpers für Salze, pH-Wert, Wasser und für die Höhe des Blutdrucks. Von der Niere aus erfolgt die Steuerung des Blutdruckes nicht nur über die reine Flüssigkeitsmenge, die sich im Blutkreislauf befindet, sondern auch über das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System. Dieses kaskadenartig ablaufende Enzym- und Hormon-System steuert den Blutdruck vor allem durch die Eng- oder Weitstellung der Gefäße.

Eine beeinträchtigte Fähigkeit der Nieren zur Steuerung des Mineral- und Flüssigkeitshaushaltes kann sich unter anderem in einer verminderten Urinausscheidung und in einem erhöhten Flüssigkeitsvolumen des Körpers äußern – es kommt oft zur Wassereinlagerung an den Beinen (schlimmer noch in der Lunge), aber eben auch lange unbemerkt den Druck in den Blutgefäßen gefährlich erhöhen.

Es gibt Formen des Bluthochdrucks, die – wie der Focus titelte „jetzt heilbar“ sind, oftmals ist jedoch eine dauerhafte, medikamentöse Drucksenkung (lebens)notwendig für Patienten, um das Fortschreiten der (Nieren-)Erkrankung und der Hochdruck-Folgeschäden (Schlaganfall, Herztod, Erblindung) zu verhindern oder zu verzögern. Die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten müssen für den jeweiligen Patienten optimal gewählt werden, was unter anderem des Nierenfacharztes (Nephrologen) „täglich Brot“ darstellt. Dies wird in der Focus-Ärzteliste deutlich, da die ganz überwiegende Mehrzahl der vom Focus empfohlenen Spezialisten Nephrologen sind.
Bis heute verwechseln viele Patienten noch die Fachgruppe der Nephrologen mit den Urologen, deren Fachgebiet sich zwar stellenweise mit der Nephrologie überschneidet, die sich jedoch in erster Linie mit den ableitenden Harnwegen, den männlichen Geschlechtsorganen und speziell auch - als operatives Fach - mit chirurgischen Therapiemöglichkeiten beschäftigen.

Hochdruckspezialisten unter den Nephrologen („Hypertensiologen“) sind nicht nur an Unikliniken, sondern auch außerhalb, in fast allen nephrologischen Kliniken und Praxen zu finden und stehen somit flächendeckend zur Behandlung der allgegenwärtigen Volkskrankheit zur Verfügung. Dies ist besonders dann wichtig, wenn eine der Hypertonie zu Grunde liegende Nierenerkrankung ausgeschlossen werden soll oder wenn sich die Einstellung eines Patienten in der hausärztlichen Betreuung als schwierig herausstellt.