Aktuelle Organspendezahlen: In neun von zehn Fällen entscheiden die Angehörigen über Organspende
Frankfurt am Main, 30. Januar 2012. In neun von zehn Todesfällen werden die Angehörigen derzeit über eine mögliche Organspende befragt, weil der Verstorbene seinen Willen nicht dokumentiert hat. Dies bestätigen die aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2011 der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Laut Umfragen geben zwar rund 20 Prozent der Deutschen an, einen Organspendeausweis zu besitzen – in der Realität im Krankenhaus sieht dies jedoch anders aus. Nur knapp sieben Prozent haben ihre Entscheidung zur Organspende schriftlich - zum Beispiel in einem Organspendeausweis - hinterlegt und damit zu Lebzeiten eine Entscheidung getroffen. Bei 27,6 Prozent war der mündliche Wille ausschlaggebend, bei 42,4 Prozent der mutmaßliche Wille. Bei insgesamt 24,4 Prozent der Fälle, die zu einer Zustimmung oder Ablehnung geführt haben, gab es keinen Anhaltspunkt für den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen. Demnach ist die Ablehnungsrate mit über 40 Prozent am höchsten, wenn die Entscheidung alleine im Ermessen der Angehörigen liegt. Aus Unsicherheit, die falsche Entscheidung zu treffen, kommt es hier in vier von zehn Fällen zu einer Ablehnung der Organspende.
Diese Bitte um Entscheidung bedeutet für die Angehörigen die schwierigste Frage inmitten einer Situation von Trauer und Verzweiflung. Die Ärzte auf der Intensivstation werden in der Ausbildung meist nicht auf diese Gespräche vorbereitet, hinzukommen Arbeitsüberlastung und Zeitmangel der Mediziner. Die DSO bietet den Ärzten in den Krankenhäusern aus diesem Grund Unterstützung durch einen DSO-Koordinator an. Ein gemeinsames Gespräch mit dem behandelnden Arzt und dem DSO-Koordinator erleichtert es den Angehörigen, eine stabile Entscheidung zu treffen. Denn die Koordinatoren können die Familienmitglieder ausführlich und ohne Zeitdruck beraten und umfassende Informationen zur Organspende und Transplantation geben. Ziel des Gesprächs mit den Angehörigen des Verstorbenen ist es, die Familie bei der Entscheidungsfindung zu begleiten und zu einer stabilen Entscheidung für oder gegen Organspende zu kommen. Jede Entscheidung wird dabei akzeptiert.
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Pressemeldung Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
10.01.2012
Wie erkennt ein Arzt, ob bei einem Patienten, der in die Notaufnahme einer Klinik eingeliefert wird, die Nieren akut geschädigt sind? Diese Frage ist mit bisherigen Tests häufig nur schwer zu beantworten, für die frühe Beurteilung der Schwere des Krankheitsbildes jedoch von großer Bedeutung. Kliniker vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC) des Max-Delbrück-Centrums (MDC) und der Charité, des Helios-Klinikums Berlin und dreier US-Kliniken haben jetzt gezeigt, dass der Nachweis von Proteinen, die eine geschädigte Niere in den Urin ausschüttet, hilft, Hochrisikopatienten sehr früh zu erkennen (Journal of the American College of Cardiology, online, 9. Januar 2012)*.
Pressemeldung Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI)
Überlebensraten sind besser als in den USA
Bei komplexen Fällen von Nierenversagen funktioniert die medizinische Versorgung in Deutschland offenbar besser als in den USA. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten zeigen, dass deutsche Patienten, die durch eine vorangegangene Immunisierung ein erhöhtes Risiko für Abstoßungsreaktionen aufweisen, bessere Überlebensraten aufweisen als ähnlich schwer erkrankte Menschen in den USA. Dies gilt sowohl während der Dialyse als auch für die Zeit nach Erhalt einer neuen Niere. Die Gründe hierfür sehen die Forscher nicht nur in der besseren Qualität der Dialyse in Deutschland, sondern vor allem in dem sehr gut funktionierenden europäischen Organvergabesystem, mit dessen Hilfe die Daten von Organspendern und Empfängern erfasst, analysiert und so optimal an die passenden Patienten zugeteilt werden. Die Ergebnisse der Studie wurden in einem „Letter to the Editor“ im „New England Journal of Medicine"* veröffentlicht.
Einige Menschen auf der Warteliste für eine neue Niere leiden unter einem vorangegangenen Immunisierungsereignis, der sogenannten HLA-Sensibilisierung. Dies kann nach Schwangerschaften oder bei Empfängern von Blutspenden auftreten. Dabei werden im Blut Antikörper gegen Gewebemerkmale gebildet, die es dem Körper erschweren, Transplantate von bestimmten Spendern zu akzeptieren. Studien zeigen eine sehr hohe Abstoßungsrate von Spenderorganen, wenn eine HLA-Sensibilisierung vorliegt. Wissenschaftler der Johns Hopkins University hatten versucht, die Antikörper im Blut HLA- sensibilisierter Patienten durch einen Austausch des Blutplasmas, die so genannte Plasmapherese, zu entfernen. Dieses komplexe Verfahren führt in Kombination mit einer verstärkten Unterdrückung des Immunsystems bei diesen Patienten zunächst zu einer erfolgreichen Transplantation, birgt aber weitere Risiken: Fast zehn Prozent der so behandelten Patienten starben im ersten Jahr nach der Transplantation, nach fünf Jahren lebten noch 80 Prozent. Im Vergleich dazu zeigen die Daten an der Charité, dass auch ohne Plasmapherese nach fünf Jahren etwa 90 Prozent der Transplantatempfänger mit ähnlichen demografischen Daten überlebt haben. Prof. Klemens Budde, Oberarzt der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie am Campus Charité Mitte, hält vor dem Hintergrund dieser Zahlen derartige Desensibilisierungsprogramme für „unnötig“. Verfahren wie das „acceptable mismatch program“ in Europa, bei dem in einem aufwendigen Verfahren der jeweils beste Spender für die sensibilisierten Patienten auf der Warteliste gesucht wird, seien für Risikopatienten wesentlich besser geeignet. Durch die bessere Gewebeübereinstimmung ist eine weniger starke Unterdrückung des Immunsystems ausreichend, woraus weniger Nebenwirkungen resultieren.
Auch ein Blick zu den Dialysepatienten auf der Warteliste zeigt eine bessere Versorgung in Deutschland als in den USA. In dieser Gruppe verstarben fast neun Prozent der US-Patienten im ersten Jahr, nach fünf Jahren waren 34 Prozent gestorben. Im Vergleich dazu lebten in Berlin und Brandenburg nach fünf Jahren noch etwa 90 Prozent der Dialyse-Patienten auf der Warteliste der Charité. „Der Blick in die USA weist uns auf die Schwächen des amerikanischen Gesundheitssystems hin. Wir sollten uns davor hüten, derartige Programme in Europa zu implementieren“, resümiert Prof. Budde in einem Beitrag im Deutschen Ärzteblatt.
*Huber L, Naik M, Budde K. Desensitization of HLA-incompatible kidney recipients. N Engl J Med. 2011 Oct 27;365(17):1643; author reply 1644-5. PubMed PMID: 22029992.
02.12.2011 - Pressemitteilung Charité
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Der Organspendeausweis wird im November 40 Jahre – Musikalische „Happy Birthday“-Aktion im Internet
Frankfurt/Main, 26. Oktober 2011. Er ist klein und kann doch so Großes bewirken: der Organspendeausweis. Seit nunmehr 40 Jahren rettet das „Ja“ auf dem kleinen Stück Papier im Falle des Falles Leben und ist ein Symbol der Nächstenliebe und Solidarität mit den 12.000 Patienten auf der Warteliste für ein Spenderorgan.
Laut Zeitungsmeldungen* wurden am 3. November 1971 die ersten deutschen Organspendeausweise ausgegeben. Der Ausweis steht seit dieser Zeit für eine selbstbestimmte Entscheidung, mit der man seinen Angehörigen im Ernstfall eine schwere Last abnimmt. Denn die Bereitschaft zur Organspende wird in Deutschland nicht offiziell registriert, sondern sollte im Organspendeausweis festgehalten werden.
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Ehrung für die Arbeit zur Entstehung von erblichen Zystennieren
Professor Dr. Wolfgang Kühn, Leitender Oberarzt der Abteilung Nephrologie am Universitätsklinikum Freiburg, hat mit seiner Arbeitsgruppe den Galenus-von-Pergamon-Preis 2011 bekommen. Er wurde geehrt für eine grundlegende Arbeit zur Entstehung von erblichen Zystennieren, die in über 50 Prozent der Betroffenen zum Nierenversagen führen und damit eine Nierenersatztherapie erfordern. In einer im Fachjournal Nature Cell Biology veröffentlichten Arbeit beschreibt die Arbeitsgruppe - bestehend aus Professor Kühn sowie seinen Kollegen Dr. Fruzsina Kotsis und Dr. Christopher Böhlke - einen mehrstufigen molekularen Mechanismus, bei dem es zur krankhaften Aktivierung einer Signalkaskade kommt und zeigt einen neuen Angriffsort für die medikamentöse Therapie der Zystennierenerkrankung.
Die Freiburger Nephrologie zählt seit Jahren zu den weltweit führenden Forschungsgruppen und wurde wiederholt für Arbeiten zum Thema Zystennieren ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Galenus-von-Pergamon-Preis für experimentelle Pharmakologie wird einmal jährlich vergeben. Die Auszeichnung wurde am 20. Oktober 2011 im Rahmen der Springer Medizin Gala von der Schirmherrin, Ministerin für Bildung und Forschung, Professor Dr. Annette Schavan, in Berlin überreicht.
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Berlin, 20. Oktober 2011 – Erstmalig in diesem Jahr wurde im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) ein zusammenfassender Jahresbericht zur Qualität der Dialysebehandlungen vorgelegt, der die Einzelberichte der Berichtersteller zusammenfasst.
„Durch die Zusammenführung der Einzelberichte in einen einheitlichen und zusammenfassenden Bericht wurden eine verbesserte Lesbarkeit und eine transparentere Darstellung bewirkt“, sagte Dr. Josef Siebig, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Qualitätssicherung.
Jede Dialyse-Einrichtung im Geltungsbereich der Qualitätssicherungsrichtlinie Dialyse des G-BA ist verpflichtet, sich an einem Rückmeldesystem zur Selbstkontrolle (Benchmarking) als einrichtungsübergreifende Maßnahme der Qualitätssicherung zu beteiligen. Hierzu gehört auch, dass die Einrichtungen vierteljährlich Daten an die Berichtersteller übermitteln und diese Benchmarking-Berichte nach den Vorgaben der Richtlinie erstellen.
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Vergangene Woche stellte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr seinen Vorschlag für die Novellierung des Transplantationsgesetzes vor. Wesentliche Eckpunkte: Eingeführt werden soll die Entscheidungslösung, der eine umfassende Information der Bürger über die Organspende vorausgehen soll – eine Entscheidungspflicht besteht aber nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie kritisiert dieses Konzept als Scheininnovation.
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) kritisiert den Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr zur Novellierung des Transplantationsgesetzes. Zwar sei grundsätzlich zu begrüßen, dass allen Versicherten zumindest einmal im Leben Informationsmaterialien und Organspendeausweise mit der Aufforderung, eine Erklärung abzugeben, zugestellt werden sollen, aber ohne die Einführung einer Entscheidungspflicht könne keine wesentliche Verbesserung der Situation erzielt werden. „Bei dem Vorschlag handelt es sich unserer Ansicht nach lediglich um eine Scheininnovation“, so Prof. Dr. Bernhard Krämer, Leiter der Kommission Transplantation der DGfN. „Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ableben ist noch immer ein Tabu in unserer Gesellschaft – und ohne eine Entscheidungspflicht wird die Mehrzahl der Menschen die Entscheidung vor sich herschieben, wie bislang auch.“ Denn auch wenn in der Begründung des Bundesgesundheitsministers von 25% Organspendeausweisträgern in der Bevölkerung ausgegangen wurde, muss man festhalten, dass im Jahr 2010 nur bei 7% der Zustimmungen zur Organspende tatsächlich ein Organspendeausweis zugrunde lag. Bei den übrigen 93% mussten die engsten Angehörigen eine Entscheidung entsprechend des mutmaßlichen Willens des Verstorbenen treffen. Doch mit den trauernden Hinterbliebenen zu solch einem Zeitpunkt über die Organspende zu sprechen, sei eine Zumutung für alle Beteiligten, hinzu komme eine Unsicherheit darüber, ob das, was die Angehörigen entscheiden, wirklich den Wünschen des Verstorbenen entspricht. „Wir dulden in der Organspendefrage ein Outsourcing von Eigenverantwortung und der Gesetzesvorschlag wird daran nichts ändern. Darüber hinaus ist nicht davon auszugehen, das eine Information und Abfrage durch die Krankenkassen von der Bevölkerung ausreichend ernst genommen wird“, kommentiert Prof. Dr. Reinhard Brunkhorst, Präsident der DGfN das Problem.

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Volkskrankheiten wie der hohe Blutdruck (arterielle Hypertonie) bedeuten für viele Menschen großes, oft vermeidbares Leid. So griff die aktuelle Titelgeschichte des Focus (Nr. 39/2011 vom 26.09.2011) zu Recht ein Thema auf, das die Nephrologie (Nierenheilkunde) schon immer stark beschäftigt, da die Nieren und der Blutdruck eng zusammenhängen, sich wechselseitig dramatisch beeinflussen und die jeweilige Erkrankung verstärken, worauf nicht häufig genug hingewiesen werden kann.